Welchen Prozess zuerst? Die vorgelagerte Frage

Lean, 5S und Kaizen sagen Ihnen, wie Sie einen Prozess optimieren. Sie sagen Ihnen nicht, welchen Sie zuerst anfassen sollten.

Die Prozess- und Organisationsverantwortliche hat drei Vorhaben auf der Liste, die alle als „strategisch wichtig“ markiert sind, und weiß, dass sie nicht alle gleichzeitig starten kann. Die Kundenservice-Leiterin hat vierzig manuelle Abläufe und vier Vollzeitäquivalente weniger als vor zwei Jahren. Sie weiß, dass hier automatisiert werden muss, und weiß, dass sie nicht alles auf einmal umgesetzt bekommt. Der Vertriebsleiter arbeitet an einer Kampagne für Wärmepumpen. Die Anfragen kommen, die Angebote brauchen zu lange, die Marge sinkt. Er weiß, dass die Prozesse hier nicht mithalten. Der IT-Leiter hat alle Listen auf dem Tisch, jede mit dem Hinweis „ganz dringend“. Er hat schlicht nicht die Ressourcen, alle Vorhaben gleichzeitig anzugehen. Er fängt mit dem Auftrag an, der am lautesten kommt.

Alle vier beziffern die Wichtigkeit nach ihren eigenen Kriterien. Alle vier haben recht aus ihrer Perspektive. Zusammen ergeben sich vier widersprüchliche Bilder. Und keines davon zeigt, wo das Haus als Ganzes zuerst ansetzen sollte. Die Geschäftsführung sieht die Diskussion und delegiert die Klärung.

Wenn das Budget groß genug ist, kommt eine externe Beratung ins Haus, nimmt fünfhunderttausend Euro, hinterlässt hundert Folien und geht wieder. Die vier operativen Verantwortlichen bleiben mit der Frage zurück, mit der sie angefangen haben.

Willkommen in der Priorisierungsfrage.

Was die etablierten Methoden leisten

Ist ein Prozess ausgewählt, greifen bewährte Methoden:

Diese Methoden haben sich in Tausenden von Projekten bewährt. Der Punkt ist: sie setzen voraus, dass Sie die Auswahl davor getroffen haben.

Wo die Methoden schweigen

Ein Beispiel aus der Praxis. Eine Wertstromanalyse beginnt typischerweise mit einem Satz wie diesem: „Legen Sie zuerst fest, welche Produkte oder welche Teilprozesse untersucht werden sollen.“ „Legen Sie fest“ ist keine Methode, es ist eine Anweisung. Wie legt man fest?

Die Antwort im Kaizen-Kontext lautet meist: dort anfangen, wo die Verschwendung eindeutig ist, oder dort, wo Mitarbeiter Verbesserungsvorschläge einbringen. Beides sind wertvolle Signale. Sie erfassen aber nur, was sichtbar ist. Bei Hunderten von Prozessen bleibt der größere Teil unsichtbar. Verschwendung, die niemand meldet, weil sie sich eingebürgert hat. Abläufe, an denen niemand zweifelt, weil sie schon immer so liefen. Ohne strukturierte Sichtung bleiben sie unerkannt.

Die Frage, welchen Prozess ein Stadtwerk zuerst systematisch angehen sollte, hängt von Faktoren ab, die die etablierten Methoden nicht abfragen. Wie wiederholbar sind seine Schritte? Wie gut ist die Datenlage? Wie viele Entscheidungen müssen Mitarbeiter im Ablauf treffen? Und, sobald KI im Spiel ist: Eignet sich der Prozess überhaupt für KI-gestützte Automatisierung?

Warum die Priorisierungsfrage schwierig ist

Die Schwierigkeit hat drei Quellen.

Erstens die fehlende gemeinsame Sprache. Der Kundenservice misst in Klärfällen pro Tag, der Vertrieb in Margen und Neuverträgen, die IT in Systemabhängigkeiten. Jede Sprache ist innerhalb ihres Bereichs zutreffend. Übergreifend lassen sich die Bewertungen kaum vergleichen.

Zweitens die fehlende Sichtbarkeit. Ein kaputter Prozess ist meistens nur in dem Bereich sichtbar, der ihn erlebt. Der Kundenservice merkt seit Monaten, dass ein Abrechnungslauf hakt. Er meldet es intern, arbeitet damit, umgeht es. Der Vertrieb weiß nichts davon. Die Geschäftsführung weiß auch nichts davon. Erst wenn der Prozess so kaputt ist, dass ein Kunde verloren geht, der Regulator sich meldet oder das Betriebsergebnis leidet, wird er zum Thema für die anderen Bereiche. Bis dahin bleibt er im Silo.

Drittens die fehlende Autorität. Der Bereichsleiter entscheidet für seinen Bereich. Übergreifende Entscheidungen fallen bei der Geschäftsführung an, die dafür wenig Zeit hat. In der Praxis werden sie deshalb selten aktiv getroffen. Es setzt sich das durch, was am lautesten kommt.

Damit bleibt Prozessoptimierung Bereichsthema. Jeder optimiert sein Silo, niemand schaut auf das Ganze.

Was KI daran ändert

Mit dem Aufkommen von KI-Werkzeugen ist die Priorisierungsfrage schwieriger geworden. Der Grund: KI-Entscheidungen entstehen aus einem Bedarf: „Wir müssen etwas mit KI machen.“ Jeder Post auf LinkedIn schreibt von erfolgreichen KI-Einsätzen, auf Tagungen wird geschwärmt. Berichte über eingestampfte Piloten liest man kaum. Ein Anbieter sitzt im Haus und legt eine Vorlage auf den Tisch, in der jeder zweite Ablauf als „KI-tauglich“ markiert ist.

Aus dieser Motivationslage heraus wird ein Prozess ausgewählt und automatisiert. Manchmal passt es. Oft passt es nicht: Die Datengrundlage ist zu dünn, der Ablauf erfordert Erklärbarkeit, ein klassischer Ansatz wäre günstiger und robuster gewesen. Der Bot, der niemandem hilft, ist die typische Folge.

Diese Eignungsprüfung übernehmen Lean, Kaizen und 5S nicht. Sie stammen aus einer Zeit vor der KI. Priorisierung braucht heute eine zusätzliche Ebene, für die die bekannten Methoden nicht ausgelegt sind.

Ein Kompass für die Priorisierungsfrage

Ein Strichmännchen steht links und hält einen Kompass in der Hand. Eine gepunktete Linie zeigt vom Kompass diagonal auf eine schematische Landkarte im Abenteuerkarten-Stil. Die Karte ist in mehrere Inseln unterteilt, die durch Brücken verbunden sind. Auf jeder Insel ist ein kleines Prozessdiagramm eingezeichnet. Alle Diagramme sind schwarz-weiß, nur eines ist in Marken-Violett hervorgehoben und mit einem goldenen Rahmen versehen. Auf dieses Diagramm zeigt der Kompass.

Für genau diese Lücken habe ich HOIKEI entwickelt. Der Name kommt aus dem Japanischen und bedeutet Kompass, wörtlich „Richtungsmessgerät“. Ein Kompass zeigt die Richtung Norden. Den Weg wählen Sie selbst.

HOIKEI beantwortet die Frage vor der Optimierung: Welche Prozesse verdienen zuerst Aufmerksamkeit? Zwanzig Fragen ergeben eine Bewertung auf zwei Achsen, Optimierbarkeit und erwarteter Nutzen, und zeigen alle Prozesse auf einer gemeinsamen Landkarte. Wer vierzig Kandidaten hat, sieht sie nebeneinander und kann seine Entscheidung darauf gründen. Auch die IT bekommt damit eine begründete Reihenfolge, statt auf Lautstärke reagieren zu müssen.

HOIKEI beantwortet zudem die KI-Frage. Aus den zwanzig Antworten ergibt sich eine automatische Markierung als KI-Kandidat. Wer tiefer prüfen will, nutzt eine ergänzende Stufe mit sieben Fragen zu Notwendigkeit, Voraussetzungen und Risiken. Das Ergebnis ist eine von drei Einschätzungen: für KI geeignet, mit Vorbehalten möglich, oder nicht empfohlen. Anbieter-Aussagen zur KI-Eignung lassen sich damit strukturiert und unabhängig prüfen.

Und HOIKEI schließt den Kreis. Nach der Umsetzung wird der Prozess erneut bewertet, mit denselben Fragen. Der Vergleich mit der Baseline zeigt, ob die Optimierung gewirkt hat und wo der nächste Ansatzpunkt liegt. Damit wird aus einer Einzelmaßnahme ein kontinuierlicher Verbesserungsprozess.

HOIKEI arbeitet mit Lean, Kaizen und 5S zusammen. Es ordnet sich vor sie ein, ergänzt sie um die KI-Frage und misst am Ende, ob die Optimierung gewirkt hat.

HOIKEI: die Scores sind Kompass, kein GPSDie Priorisierungsfrage ist schwierig, aber lösbar. Sie braucht einen Kompass, der die Richtung zeigt.

Wenn Sie HOIKEI in Aktion sehen möchten, buchen Sie eine Demo. In dreißig Minuten zeige ich Ihnen anhand eines Ihrer Prozesse, wie die Bewertung funktioniert.

Häufige Fragen

Warum reicht Lean nicht für die Frage, welchen Prozess man zuerst optimieren sollte?

Lean, Kaizen und 5S sind bewährte Methoden zur Prozessverbesserung. Sie setzen aber voraus, dass die Auswahl des Prozesses bereits getroffen wurde. Die vorgelagerte Frage, welcher Prozess zuerst optimiert werden soll, beantworten sie nicht. Für diese Priorisierungsfrage braucht es eine strukturierte Bewertung, die die etablierten Methoden nicht liefern.

Warum ist die Priorisierung von Prozessen schwierig?

Die Schwierigkeit hat drei Quellen: die fehlende gemeinsame Sprache zwischen Bereichen, die fehlende Sichtbarkeit von Prozessproblemen außerhalb ihres Silos, und die fehlende Autorität für übergreifende Entscheidungen. Ohne strukturierte Grundlage setzt sich meist das durch, was am lautesten kommt.

Wie priorisiere ich Prozesse aus unterschiedlichen Bereichen?

Bereiche wie Kundenservice, Vertrieb und IT bewerten nach eigenen Kriterien. Um Prozesse vergleichbar zu machen, braucht es eine gemeinsame Bewertungsebene: Optimierbarkeit und erwarteter Nutzen. Erst wenn alle Prozesse auf denselben Achsen bewertet werden, wird die Priorisierung objektiv.

Woran erkenne ich, ob ein Prozess für KI geeignet ist?

Eine strukturierte KI-Eignungsprüfung geht über die Anbieter-Aussage hinaus. Sie prüft Datengrundlage, benötigte Erklärbarkeit, Voraussetzungen und Risiken. Nicht jeder Prozess mit hoher Verschwendung ist für KI geeignet. Ein klassischer Automatisierungsansatz kann günstiger und robuster sein.

Was ist HOIKEI?

HOIKEI ist eine Methodik zur strukturierten Bewertung von Prozessen vor der Optimierung. Der Name kommt aus dem Japanischen und bedeutet Kompass. Zwanzig Fragen ergeben eine Bewertung auf zwei Achsen, Optimierbarkeit und erwarteter Nutzen. Das Ergebnis ist eine Landkarte, auf der alle Prozesse vergleichbar dargestellt werden.

Wie hängt Prozessoptimierung mit KI zusammen?

KI-Werkzeuge werden oft eingesetzt, ohne dass vorher geprüft wurde, ob der Prozess dafür geeignet ist. Die Datengrundlage ist zu dünn, der Ablauf erfordert Erklärbarkeit, ein klassischer Ansatz wäre günstiger. Die strukturierte Bewertung vor dem KI-Einsatz ist die Voraussetzung dafür, dass das Werkzeug zum Prozess passt.

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