Nachhaltige KI: Das passende Werkzeug spart Ressourcen

Bei Energieversorgern kommt noch viel Post auf Papier. Das Geschäft bringt es mit sich. Ein Formular geht raus, kommt ausgefüllt zurück und wird mit OCR gelesen. Der Aufbau ist bekannt, die Software zerlegt es sauber in Felder und Werte.

Die Kunden halten sich oft nicht an die Vorgaben und schreiben Notizen am Rande des Dokuments. Und so kommen Menschen ins Spiel, die solche Dokumente in einen separaten Korb einsortieren. Und dann sind da noch die handgeschriebenen Briefe, blaue Tinte auf kariertem Papier, mit denen keine OCR zurechtkommt.

Diese Fälle soll jetzt KI lösen. Speziell aber bei Erkennung der Notizen am Rande des definierten Formulars tun sich die Werkzeuge schwer. Auch wenn es auf der Feature-Liste steht.

Wonach wählen wir ein Werkzeug aus?

Meist nach dem Preisleistungsverhältnis. Bringt es das Ergebnis, und was kostet es in Euro. Beides ist berechtigt. Es gibt eine dritte Größe, die in den Gesprächen selten vorkommt, den Verbrauch an Ressourcen.

Als ich früher Server-Cluster für analytische Datenbanken geplant habe, floss der Stromverbrauch in die Berechnung ein, bei einem Hot-Standby doppelt. Dieser Verbrauch hing an der Infrastruktur, plan- und kalkulierbar, losgelöst von Berichten und Analysen. Mit KI verschiebt sich das. Jetzt hängt der Verbrauch von dem, was wir tun, ab. Jede Abfrage zieht spürbar Energie, und die Aufgabe selbst entscheidet mit, wie viel. Die Verbindung zwischen dem, was wir tun, und dem Strom, den wir brauchen, ist enger geworden.

Was KI verbraucht, steht nicht auf der Rechnung

Dass KI nicht umsonst läuft, ist inzwischen gut untersucht. Dr. Dina Barbian zeigt, dass KI über ihren gesamten Lebenszyklus hinweg Energie und Wasser braucht: von der Herstellung der Chips und Server über das Training der Modelle bis zu jeder kleinen Aufgabe.

Im geschäftlichen Alltag fällt vor allem die Nutzung an, und sie wiederholt sich. Eine einzelne Abfrage mag winzig sein. Insbesondere bei Agentic AI multipliziert sich der Verbrauch schnell, da diese Anfragen tausendfach laufen.

Wie sich der Energieverbrauch messen und senken lässt, untersucht das Forschungsprojekt ESCADE, an dem Dr. Barbians Institut eco2050 beteiligt ist. Worauf es in meiner Praxis ankommt, ist die Größenordnung, und die ist deutlich genug, um den Verbrauch in Entscheidungen über den Einsatz von KI einzubeziehen.

Erst der Prozess, dann das Werkzeug

In einem früheren Beitrag habe ich beschrieben, warum das Werkzeug zum Prozess passen muss und nicht umgekehrt. Der Ressourcenverbrauch fügt dieser Frage eine Ebene hinzu. Wenn eine Regel, ein Schritt im Fachsystem oder das Weglassen einer Aufgabe das Ziel erreicht, ist das einfacher und günstiger. Und es verbraucht weniger.

KI dort einzusetzen, wo eine Regel oder ein Automatismus reicht, ist wie mit Kanonen auf Spatzen zu schießen, speziell gemessen in Energie und Wasser.

Zweiteilige Strichzeichnung. Links verjagt eine Figur einen Spatz mit einer kleinen Glocke. Rechts rollt dieselbe Figur eine riesige Kanone mit der Aufschrift KI auf denselben Spatz zu. Sinnbild für mit Kanonen auf Spatzen schießen, ein überdimensioniertes Werkzeug für eine winzige Aufgabe

Wann lohnt sich KI auch ökologisch?

Das heißt nicht, KI wäre Verschwendung. Wo eine Aufgabe Sprache verstehen oder eine echte Einschätzung treffen muss, kann nichts Einfacheres sie übernehmen. Eine eingehende Beschwerde sinnvoll einzuordnen, dafür ist KI das passende Werkzeug, und der Verbrauch, den sie dabei verursacht, kauft eine Fähigkeit, die eine Regel nicht hat.

Effizienz allein reicht nicht

Oft heißt es, dass die Modelle ja immer effizienter werden. Das stimmt, pro Abfrage sinkt der Verbrauch. Nur steigt der Gesamtverbrauch trotzdem, weil KI zunehmend mehr Aufgaben übernimmt.

Den größeren Hebel haben wir im Alltag woanders. Wie sparsam ein Modell rechnet, entscheiden die Anbieter. Wo wir es überhaupt einsetzen, entscheiden wir. Und diese zweite Frage ist in jedem Prozess neu zu beantworten.

Gute Prozessarbeit spart Ressourcen nebenbei

Das Schöne daran ist, dass es dafür kein eigenes Nachhaltigkeitsprogramm braucht. Wer das passende Werkzeug wählt, spart automatisch Ressourcen. Die saubere Prozessfrage und die ökologische Frage führen zur selben Antwort.

Wer schon einmal für eine Bank ein Formular ausgefüllt hat, weiß, dass dort sinngemäß steht: "Dieses Dokument wird maschinell eingelesen, die Daten außerhalb der vorgesehenen Bereiche werden nicht berücksichtigt". Somit entgehen die Banken dem mühsamen Erkennen der Notizen, die der Kunde am Rand geschrieben hat. Ist das die feinste Lösung für den Kunden, der etwas mitteilen möchte? Sicher nicht. Aber die ressourcenschonendste. Denn so ein Formular benötigt keine teure Technik und die Verarbeitung kann komplett automatisiert ablaufen.

Weglassen ist meist das sparsamste Werkzeug von allen.

Häufige Fragen

Verbraucht KI auch im laufenden Betrieb Energie?

Ja. Nicht nur das Training der Modelle kostet Energie, sondern auch jede Abfrage im Betrieb, die sogenannte Inferenz. Dazu kommt Wasser für die Kühlung der Rechenzentren. Deshalb lohnt es sich, vor dem KI-Einsatz zu prüfen, ob eine einfachere Lösung das Ziel auch erreicht.

Wann ist KI nicht die ressourcenschonendste Lösung?

Immer dann, wenn eine klare Regel, ein Schritt im Fachsystem oder das Weglassen einer Aufgabe dasselbe Ergebnis liefert. In diesen Fällen verursacht KI Energie- und Wasserverbrauch, ohne einen Mehrwert gegenüber der einfacheren Lösung zu schaffen.

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